Keynote

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Aktuelle Entwicklungen der Psychologie
und der Hochschullandschaft:
Chancen und Herausforderungen für unser Fach



Aus den Bereichen Studium und Lehre kommen derzeit maßgebliche Impulse zur Veränderung, die die Psychologie als Ganzes betreffen. Die Reform der Psychotherapie-Ausbildung in Deutschland, die mit Verabschiedung der Approbationsordnung im Februar 2020 gesetzgeberisch abgeschlossen wurde, stellt für die Psychologie in Deutschland die bislang größte fachpolitische Herausforderung dar. Dieser Reformprozess sowie seine weitreichenden Folgen – nicht nur für die Psychologie in Deutschland – bilden den Ausgangspunkt für eine Reflexion von Chancen und Herausforderungen, denen sich die Psychologie aktuell gegenüber sieht. Gleichzeitig ergibt sich aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Auswahl von Medizinstudierenden auch für die Psychologie als eines der nachgefragtesten Studienfächer die Notwendigkeit, bei der Studierendenauswahl neue Wege zu beschreiten. Auch diesen Prozess gilt es, über Institute hinweg zu koordinieren, um so eine der Stärken der Psychologie, die diagnostische Expertise, zur Geltung zu bringen. Diese Neuerungen müssen im Kontext von allgemeinen Entwicklungen im tertiären Bildungssektor gesehen werden, wie den perspektivisch sinkenden Studierendenzahlen und damit gesteigerter Konkurrenz um Studierende zwischen den Standorten, dem rasant wachsenden Angebot privater Hochschulen und dem sich immer weiter diversifizierenden Bildungsangebot im tertiären Sektor. Ob die Psychologie als Fach und Wissenschaft aus diesen Prozessen gestärkt oder geschwächt hervorgeht, liegt sowohl in den Händen der einzelnen Institute, die die Lehre gestalten, als auch der Deutschen Gesellschaft für Psychologie sowie dem Fakultätentag, die die fachpolitischen Interessen nach außen und innen vertreten. Der beschrittene Weg der Professionalisierung der fachpolitischen Interessenvertretung muss energisch weitergegangen werden. Beispiele dafür sind bei Fachgesellschaften in anderen Ländern zu finden, die zum Teil deutlich weitreichendere Interessenvertretungen wahrnehmen.


Univ.-Prof.in Dr.in Birgit Spinath
Rupprecht-Karls-Universität Heidelberg
Psychologisches Institut – Pädagogische Psychologie


Birgit Spinath ist Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Heidelberg. Ihr Hauptforschungsschwerpunkt liegt im Bereich des Lehrens und Lernen in Schule und Hochschule. Ihr Interesse gilt dabei immer auch dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, zum Beispiel zur Verbesserung von Hochschullehre oder der Lehrerbildung. Sie studierte Psychologie an der Universität Bielefeld und promovierte dort zu der Frage, wie sich Überzeugungen über die eigenen Fähigkeiten und insbesondere deren Veränderbarkeit auf Lernen und Leistung auswirken. Sie spezialisierte sich in der Forschung auf die Rolle von Motivation und Fähigkeiten für Erfolg in Schule und Studium. Nach Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Bielefeld und Hildesheim wurde sie Juniorprofessorin für Institutional Research an der Universität Dortmund bevor sie 2004 einen Ruf nach Heidelberg erhielt. Derzeit ist sie Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.